Grundbedürfnisse als Schlüssel zur Konfliktlösung
- Mag.a Martha Harreiter, LL.M. BA

- 5. März
- 2 Min. Lesezeit
Konflikte entstehen selten "out of the blue". Meist sind sie Ausdruck davon, dass elementare Bedürfnisse in einem sozialen System, sei es in der Partnerschaft, in der Familie, am Arbeitsplatz oder auch in der Nachbarschaft nicht erfüllt sind. Die Konflikte eskalieren, wenn die Bedürfnisse über einen gewissen Zeitraum nicht gesehen werden und nichts zu ihrer Erfüllung geschieht.
Blickt man aus dieser Warte auf Konflikte, so sind sie nicht primär "Streit" oder bloße Uneinigkeit, sondern vielmehr Spiegel für die Nicht-Erfüllung tieferliegender Bedürfnisse.
Was sind "Grundbedürfnisse"?
Für den Begriff der "Grundbedürfnisse" gibt es keine einheitliche Definition. Im Allgemeinen meint der Begriff universelle Antriebe des Menschen. Werden sie dauerhaft nicht erfüllt, steigen Spannungen. Die Menschen reagieren typabhängig mit Misstrauen, Rückzug, "innerer Kündigung" oder dem offenen Konflikt (verbal wie non-verbal).
Nach Marshall Rosenberg, einem US-amerikanischen Psychologen und international tätigen Mediator sowie Begründer des Konzepts der Gewaltfreien Kommunikation (GFK), sind neun Grundbedürfnisse für all unser Tun und unsere Wünsche verantwortlich: Er bezeichnet diese Bedürfnisse als "Kraftquelle menschlichen Handelns", die im Wesen eines jeden Menschen verankert sind. Jeder Mensch hat die gleichen lebensfördernden Bedürfnisse, wenn auch nicht zum gleichen Zeitpunkt. Ebenso ist jeder Mensch nach Rosenberg selbst für die Erfüllung der eigenen Grundbedürfnisse verantwortlich.
Diese sind (vereinfacht dargestellt):
Selbsterhaltung (Gesundheit, Schlaf, Licht, frische Luft, Nahrung, ...)
Sicherheit (finanzielle Sicherheit, persönliche Sicherheit, politischer Frieden, Sicherheit am Arbeitsplatz)
Liebe (Zuneigung, Verbundenheit)
Mitgefühl und Empathie
Geborgenheit (Kontakt und Zugehörigkeit, soziales Umfeld)
Ehrlichkeit
Erholung (Regenerationszeit: Spiel und Spaß)
Autonomie (Selbstbestimmung im Tun und Gestalten des eigenen Lebens)
Sinn (Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns, Beitrag zu einem größeren Ganzen)
Die einzelnen Grundbedürfnisse lassen sich nicht gegeneinander ausspielen. Sie sind alle für sich genommen wichtig, damit wir als Menschen ausgeglichen, glücklich und zufrieden sind. Hier setzt die Arbeit in der Mediation an.
Was hat das nun mit Mediation zu tun?
In der Mediation interessiert uns vorrangig, welche Grundbedürfnisse hinter den Wünschen der Medianden versteckt sind. Daher frage ich in der Mediation nicht, was sich Medianden "wünschen", sondern vielmehr, was sie für eine gute Lösung "brauchen". Nur so lassen sich nachhaltig wirksame Lösungen erzielen.
In der Mediation helfen wir als Expert:innen den betroffenen Menschen dabei, an die Oberfläche zu holen, was im Konfliktfall oft gut verborgen bleibt. Wir entschlüsseln mit den Beteiligten, bei welchen "Bedürfnissen" es sich um bloße "Stellvertreter" der eigentlichen, dahinter liegenden Grundbedürfnisse handelt. Dann setzen wir an dieser Wurzel der Streitigkeiten an und arbeiten mit den Beteiligten tragfähige Lösungen aus, mit denen die Grundbedürfnisse aller Beteiligten (wieder) bestmöglich erfüllt werden.
Auch wenn die Beteiligten konstruktiv und lösungsorientiert sind, ist der Weg zu einer tragfähigen Lösung weit, solange nicht alle Bedürfnisse aufgedeckt und in die Lösung mit einbezogen sind. Daher lohnt es sich, eine:n Mediator:in als geschulte:n Experten/in beizuziehen. Mit den richtigen Fragen decken wir die zugrundeliegenden Ursachen auf. So unterstützen wir eine rasche und effiziente Konfliktlösung, die nachhaltigen Bestand hat.
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