Wie gewinne ich eine Mediation? Tipps für eine erfolgreiche Konfliktlösung

Diese Frage begegnet mir als Mediatorin häufig schon vor der ersten Sitzung einer Mediation. Was Klient:innen interessiert, ist die Frage: "Wie setze ich mich durch?"
Ich finde die Frage interessant. Das Bedürfnis, die eigene Position möglichst erfolgreich durchzusetzen, ist nachvollziehbar und berechtigt. Oft verbirgt sich darin auch die Sorge, durch den Konflikt etwas zu verlieren (Geld, Reputation, Einfluss, Zeit, ...).
Mediation geht in der Konfliktlösung Wege, die den Betroffenen oft nicht vertraut sind, oder aber Wege, die ihnen im Moment unmöglich erscheinen.
Mediation schlägt eigene Wege ein
Anders als in gerichtlichen Verfahren gibt es in der Mediation keine formelle Qualifikation von "Gewinnern" und "Verlierern". Überhaupt gibt es keine dritte Instanz, die den Konflikt von außen beurteilt und verbindlich festhält, wer gewonnen bzw. verloren hat. Nein, nur die beteiligten Parteien entscheiden, wie der Konflikt für sie gelöst wird.
So gibt es in der Mediation weder eine von außen bestimmte Entscheidung des Konflikts, noch die klassische Trennung zwischen "Gewinnern" und "Verlierern". Gewonnen habe beide bzw. alle Beteiligten und zwar nur dann, wenn sie eine Lösung gefunden und erarbeitet haben, die für sie alle tragfähig, nachhaltig und langfristig vertretbar ist.
Win-Win oder Lose-Lose
Tatsächlich schafft eine erfolgreich abgeschlossene Mediation eine Lösung des Konflikts, die von beiden bzw. allen Parteien mitgetragen wird. Wenn eine Seite gewinnt, gewinnt damit auch die andere. Was zunächst widersprüchlich klingt, ist es im Ergebnis nicht.
Denn Lösungen sind nur dann langfristig beständig, wenn sie von allen Seiten verlässlich mitgetragen werden.
Umgekehrt bedeutet eine erfolglos abgebrochene Mediation eine Lose-Lose-Situation, in der vorerst beide Parteien verloren haben, weil keine tragfähige Lösung herbeigeführt werden konnte. Der Konflikt besteht in dem Fall weiter. Für den Versuch einer Lösung können bzw. müssen dann andere Wege beschritten werden (wie der langwierige Weg über Anwälte und Gerichte). Hier fällt schließlich eine dritte Partei – nämlich in der Regel das Gericht – eine Entscheidung für die Beteiligten.
Wege zu erfolgreicher Mediation
Was können nun die Beteiligten eines Konflikts dazu beitragen, damit die Mediation zum Erfolg wird? Welche Fragen soll man sich stellen, wenn man überlegt, ob Mediation das richtige sein könnte? Und welche Themen werden auch in der Mediation eine wesentliche Rolle bei der Konfliktlösung spielen?
Kläre Deine Interessen
Was ist Dir wirklich wichtig? Hinter Positionen („Das muss so sein!“) verbergen sich häufig Interessen, Bedürfnisse oder Sorgen. Geht es um Anerkennung, Sicherheit, Fairness, Planbarkeit, wirtschaftliche Interessen oder den Erhalt einer Beziehung? Wer die eigenen Interessen kennt, kann diese klarer kommunizieren und erhöht die Chancen auf Lösungen, die tatsächlich zufrieden stellen.
Fragen zur Reflexion:
Was möchte ich durch die Mediation erreichen?
Worauf kann ich keinesfalls verzichten?
Was wäre ein akzeptables Ergebnis?
Welche Interessen/Bedürfnisse stehen hinter meinen Forderungen?
Wechsle die Perspektive
Eine erfolgreiche Mediation bedeutet nicht, der anderen Seite Recht zu geben. Sie bedeutet jedoch, deren Sichtweise verstehen zu wollen. Oft entstehen neue Lösungsansätze erst dann, wenn nachvollziehbar wird, welche Interessen, Beweggründe oder Zwänge die andere Seite beeinflussen.
Fragen zur Reflexion:
Was könnte der anderen Person wichtig sein?
Welche Sorgen oder Ziele könnten sie beeinflussen?
Welche Informationen oder Erfahrungen prägen ihre Sicht auf die Situation?
Wo könnten gemeinsame Interessen liegen?
Erlaube „Out-of-the-Box“-Gedanken
Konflikte verhärten sich häufig deshalb, weil beide Seiten nur noch zwischen wenigen vermeintlichen Lösungen wählen. Mediation eröffnet die Möglichkeit, gewohnte Denkmuster zu verlassen und neue Wege zu erkunden. Die beste Lösung ist oft jene, die zu Beginn keine Partei bedacht hatte.
Fragen zur Reflexion:
Welche Lösungen habe ich bisher ausgeschlossen?
Was würde ich einer unbeteiligten Person in dieser Situation raten?
Welche Möglichkeiten gäbe es, wenn bisher keine Konflikte aufgetreten wären?
Wie könnte eine Lösung aussehen, von der beide Seiten profitieren?
Fazit: Wie gewinnt man eine Mediation?
Die Antwort mag zunächst überraschen: Eine Mediation gewinnt man nicht, indem man die andere Seite besiegt.
Eine erfolgreiche Mediation ist jene, die die eigenen Interessen erkennt und die Gründe der anderen Seite besser verstehen lehrt. Eine Mediation, bei der gemeinsam eine Lösung entwickelt wurde, die von allen Beteiligten mitgetragen werden kann. Der eigentliche Gewinn liegt also nicht darin, Recht zu bekommen, sondern darin, einen Konflikt nachhaltig zu lösen und wieder handlungsfähig zu werden.
Wer eine Mediation mit der Haltung betritt, ausschließlich die eigene Position durchsetzen zu wollen, wird ihre Möglichkeiten nur eingeschränkt nutzen können. Wer dagegen bereit ist, Interessen statt Positionen in den Mittelpunkt zu stellen, Perspektiven zu wechseln und neue Lösungswege zuzulassen, schafft beste Voraussetzungen für eine tragfähige Lösung.
Vielleicht lautet die treffendere Frage daher nicht: „Wie gewinne ich eine Mediation?“, sondern: „Wie finden wir eine Lösung, mit der wir beide gut weiterarbeiten, weiterleben oder weiter zusammenwirken können?“
Ein Konflikt beschäftigt Sie und das sind genau die Fragen, die Sie sich stellen?
Als eingetragene Mediatorin und Wirtschaftsmediatorin unterstütze ich Organisationen, Unternehmen und Teams dabei, tragfähige Lösungen für Konflikte zu entwickeln. Kontaktieren Sie mich für eine unverbindliche Erstberatung: Kontakt.
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